Home Haus und Garten Coronavirus: Deutschland lässt seine Haare in „Home Offices“ hängen

Coronavirus: Deutschland lässt seine Haare in „Home Offices“ hängen

by admin

Deutschland zeigt in der Coronavirus-Ära der Heimarbeit eine entspanntere Seite. Die Etikette ist in den Hintergrund getreten, als Zoom zeigt, wie das Land lebt – manchmal aus Versehen.

Der peinliche Moment im Interview im deutschen Spiegel TV beginnt in 24 Minuten: Die Tür hinter dem Co-Vorsitzenden der Grünen, Robert Habeck, öffnet sich. Habeck dreht sich um und macht eine Geste, als wollte er jemanden wegschicken. Die Tür schließt sich wieder. Doch kurz darauf öffnet es sich wieder und Habecks Sohn kommt mit ausgezogenem Hemd herein.

„Du bist im Fernsehen“, sagt Habeck mit einem hilflosen Lächeln. Auch Spiegel-TV-Moderator Markus Feldenkirchen lächelt. „Wir haben alle in letzter Zeit gelegentlich Überraschungsbesucher erlebt“, sagt er.

Ein paar Momente später öffnet sich die Tür wieder und Habecks Sohn verlässt den Raum, diesmal voll angezogen. Habeck verdreht die Augen. Wenn die Tür von außen geschlossen wird, ist er sichtlich erleichtert.
Es gibt viele solcher Szenen im Internet, nicht nur aus Deutschland.

Deutschland verändert sich. In der Coronavirus-Ära dringen digitale Konferenzen und TV-Links in private Räume ein und zeigen, wie es dort ist. Die Digitalisierung verändert die Wohnkultur. Der Heimarbeitsbereich – Deutsche nennen ihn gerne Heimarbeitsplatz – wird von Computern mit Headsets, Notebooks und Smartphones dominiert. Fernseher, Multiband-Radios und Diktiergeräte sind auf Schreibtischen und Küchentischen nicht mehr häufig anzutreffen. Und die Kleiderordnung wird nicht mehr so ​​ernst genommen.
T-Shirt statt Krawatte

„Es besteht die Tendenz, die Etikette ein wenig vom Vorstand loszulassen“, sagt Wolfgang Beck, Leiter des Medienstudienprogramms an der Sankt Georgen Graduiertenschule für Philosophie und Theologie (PTH) in Frankfurt.

Während Videokonferenzen erscheinen viele Teilnehmer jetzt eher in T-Shirts als in Hemd und Jacke, und die Leute nehmen das informelle „du“ -Formular schnell auf Deutsch an, wenn sie sich an andere wenden. „Man könnte von Amerikanisierung oder Skandinavisierung sprechen“, sagt Beck.

Beck fügt hinzu, dass die Coronavirus-Krise nur einen bereits bestehenden Trend verstärkt. „Der Schritt zu einem entspannteren Stil war zuvor da. Dies ist die Beschleunigung einer Entwicklung, die die Dinge in der gesamten Gesellschaft ein wenig lockert“, sagt er.
Szene setzen

Trotz dieser entspannteren Herangehensweise besteht nach wie vor eine starke Tendenz, dass sich die Menschen vor der Webcam ein individuelles Profil geben möchten.

„Wenn Menschen in einem chaotischen Wohnzimmer sitzen, können sie sich als Familienangehörige präsentieren“, sagte der Medienwissenschaftler Moritz Stock von der Universität Siegen kürzlich in einem Interview mit dem öffentlich-rechtlichen Sender Deutschlandfunk. „Und wer sich für eine perfekt eingerichtete Ecke seines Hauses entscheidet, kann sich als Innenarchitekt präsentieren.“

Ein Möbelstück in einem Home-Office-Bereich spielt als Hintergrund während einer Videokonferenz eine ganz besondere Rolle. „Bei meinen Kollegen im akademischen Bereich ist das Bücherregal im Hintergrund sehr wichtig und manchmal sogar beleuchtet“, sagt Beck.
Aber andere gehen einen alternativen Weg. Die Schweizer Journalistin Joelle Weil zum Beispiel verzichtet in ihren Videoauftritten bewusst auf intellektuelle Berührungen und gibt stattdessen Einblicke in ihre Küche; Für sie ist dies eine neue Art zu rebellieren.

Wahrung der Privatsphäre

Küchen-, Unordnung- oder Kleiderständer: Die indiskreten digitalen Werkzeuge enthüllen das Privatleben von Millionen von Menschen weltweit. Kinder tauchen vor Bildschirmen auf und Hunde bellen in Konferenzräume. Ein Kruzifix an der Wand oder eine Buddha-Statue in einem Regal verraten sehr persönliche Merkmale wie die Religionszugehörigkeit.

Es war noch nie so einfach, einen Blick auf die Couch eines anderen oder die Größe eines Bürostuhls, die heruntergekommene hässliche Tapete, unordentliche Schränke und schmutzige Küchentische zu werfen – oder sogar Ihre eigenen Ikea-Möbel bei Ihnen zu Hause zu erkennen sprechen mit.

Wolfgang Beck von der theologischen Schule Sankt Georgen legt bestimmte Regeln fest, um sich und andere davor zu schützen, sich dieser Art von Neugier zu hingeben. „Ich erwarte, dass die Schüler nicht im Bett liegen, wenn wir einen Vortrag als Videokonferenz halten, sondern darauf sitzen ein Stuhl an einem Tisch „, sagt er. „Ich will nicht alles sehen; manche Dinge sollten privat bleiben.“

Zoom, Jitsi und andere Konferenzplattformen bieten auch die Möglichkeit, einen virtuellen Hintergrund auszuwählen. Auf diese Weise kann niemand Räume sehen, die privat sein sollen.

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